Warschau, Polen
Hier, vor dem Denkmal für die Helden des Aufstandes im Ghetto, fand 1970 der Kniefall Willy Brands statt. Diese Geste, die international als Bitte um Vergebung für die Verbrechen der Nazis angesehen wird, half als starkes Symbol bei der Entspannung zwischen Ost und West. Gegenüber liegt das Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN.
In Zeiten in denen Nationalismus, Rassismus oder religiöser Extremismus für immer mehr Menschen als Lösung ihrer Probleme und Sorgen erscheinen, dürfen wir nicht vergessen, in welch unmenschlichen Abgrund das führt: Bis zum Überfall auf Polen 1939 durch das menschenverachtende deutsche Naziregime hatte die jüdische Gemeinde Warschaus etwa 350.000 Mitglieder. Im sog. Ghetto wurden sie von den Nazis ab Anfang Oktober 1940 auf engstem Raum zusammengepfercht. Die anderen Bewohner mußten ihre Wohnungen verlassen. Hinzu kamen weitere Juden aus anderen Gebieten, sodass die Bevölkerungszahl auf etwa 500.000 anwuchs. Mitte November 1940 riegelte eine Mauer das Gebiet ab und die Menschen wurden kaum noch versorgt. Krankheiten und Seuchen breiteten sich aus. In den Straßen stapelten sich die Toten. Im Juli 1942 begannen die Nazis damit, das Ghetto aufzulösen. Zu dieser Zeit war bereits ein Viertel der Einwohner, mehr als 100.000 Menschen, den schrecklichen Bedingungen zum Opfer gefallen. Nach und nach wurden die Bewohner in Vernichtungslager gebracht, um sie dort zu ermorden. Nachdem Anfang 1943 nur noch etwa 65.000 Menschen im Ghetto lebten, begann die jüdische Kampforganisation ZOB am 19. April einen Aufstand, der aber bis Mitte Mai gewaltsam niedergeschlagen worden war. Überlebende wurden sofort erschossen oder in ein Vernichtungslager gebracht. Anschließend wurden die Wohngebäude zerstört.